Der schmale Grat


Objektivität ist eine Ware, die im Suchmaschinenbusiness sehr viel wert ist. Auch wenn sich nur die wenigsten Nutzer darüber Gedanken machen: bei den Ergebnissen eine Suchabfrage erwarten sie schon relevante Ergebnisse zu einem Produkt und nicht Werbung aus Marketinggründen dort platziert wurden.

Diese Annahme erfordert jedoch sehr viel Vertrauen, denn nachvollziehen lässt sie sich nicht. Zwar beteuert zum Beispiel Google immer wieder, das keine manuellen Veränderungen in den Suchergebnissen vorgenommen werden, die Algorithmen, nach denen diese Seiten aufgebaut werden sind jedoch so geheim, das genau genommen keiner der Suchenden wirklich weiß warum ein Ergebnis ausgerechnet auf dieser Position zu finden ist. Man muss der Suchmaschine also glauben, dass sie wirklich objektiv arbeitet, denn einen Nachweis dafür gibt es nicht.

Im Gegenteil: So arbeitet Yahoo zum Beispiel in den Suchergebnissen immer mit Trackinglinks der Form

http://de.wrs.yahoo.com/_ylt=A1f4cfZKwJpIoYQA8TYzCQx.;_ylu=

Die Trackinglinks im bezahlten Bereich der Suchergebnisse lauten ebenfalls

http://de.wrs.yahoo.com/_ylt=A1f4cfhzxZpIEksB6VEzCQx.;_ylu=

Ob dies nur zu internen Zwecken dient oder ob einige Anbieter darüber abgerechnet werden kann man von außen nicht sagen – möglich ist auf jeden Fall beides.

Der Erfolg und Mißerfolg einer Suchmaschinen steht und fällt mit der Stärke des Glaubens an die Unabhängigkeit der Ergebnisse. Wenn die Nutzer nicht mehr der Überzeugung sind, wirklich die besten Suchergebnisse zu bekommen sondern nur noch bezahlte Werbung, werden sie der entsprechenden Engine schnell den Rücken kehren und versuchen, anderswo bessere Ergebnisse zu bekommen.

Bisher gab es für die Suchmaschinen an sich kein wirkliches Interesse die Serps in dieser Form zu manipulieren. Sowohl Google als auch Yahoo bieten Programme an, mit denen man Werbung über und neben den Ergebnissen schalten kann – säuberlich getrennt von der Ergebnislisten. Die Einnahmen aus diesen Programmen sind beachtlich, unterliegen aber auch gewissen Qualitätsrichtlinien. Die Suchmaschinen verkaufen also keine Listungen in den Serps, sondern nur im Umfeld der Suchergebnisse, während die Ergebnisse selbst weiterhin unabhängig bleiben.

Allerdings haben Google und Yahoo ja bisher auch keine eigenen Seiten über die Waren verkauft werden an denen die Suchmaschinenriesen mitverdienen. Bei solchen eigenen Seiten wäre der Verdacht schon groß, dass diese künstlich gepusht werden um mehr Traffic darauf zu bekommen.

Vor diesem Hintergrund ist es recht bedenklich, die Schritte von Google hin zu Paid Solutions zu betrachten. In England scheint es bereits zu sein: Google bietet eigene Affiliate Seiten an, auf denen Google Geld durch die Listung von Anbietern verdient. Eigene Seiten also über die Google Geld verdient – je mehr Leute diese beuschen, umso mehr Geld verdient Google damit. Wenn Google nun plötzlich ein ureigenstens Interesse daran hat, diese Seiten in den eigenen Serps und Anzeigen möglichst zu pushen – wie unabhängig ist Google in diesem Bereich dann noch? Hat die Sales-Seite von Google wirklich den Listenplatz verdient oder steht sie da nur, weil Google sie dort haben möchte?

Auch in diesen Fällen wäre es nicht nachprüfbar ob die Listung gerechtfertigt ist, auch in diesen Fällen müßte man fest daran glauben, dass Google weder die bezahlten noch die unbezahlten Einträge manipuliert um die Seite da zu platzieren wo sie zu finden ist. In dem Fall stände aber der Glauben an die Objektivität gegen das Wissen, dass Geld die Welt regiert und auch Google es wohl kaum ablehnen wird Geld zu verdienen (sonst gäbe es solche Sales Seiten gar nicht).

Wie objektiv ist eine Suchmaschine in solchen Fällen? Was glauben Sie?

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3 Kommentare zu "Der schmale Grat"

  1. momentan bzw. in naher zukunft kann man ganz gut die objektivität der suchmaschinen in den SERPs überprüfen. Und zwar mit Knol und Wikipedia. mal sehen wer das rennen macht. das eigene kind oder der veteran.

  2. Inwiefern das? Knol und Wikipedia sind Wissensportale und geben ja an sich wenig Auskunft über vorhandene Webseiten die eventuell zum Thema passen.

  3. die objektivität von gurgel hinsichtlich des ranking des eigenen angebots knol gegenüber dem externen konkurrenten wikipedia. da knol früher oder später bestimmt mit adsense ausgestattet wird imho, würde es sich lohnen da mehr traffic über die SERPs zu leiten.

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