Leistungsschutzrecht für 100.000 Klicks pro Minute


Die Zahlen rund um das Leistungsschutzrecht werden konkreter. Das wird auch dringend Zeit, denn immerhin soll der Gesetzentwurf heute im Kabinett behandelt werden und da wäre es ja schon schön, wenn die Politiker auch wirklich wüßten, was der Hintergrund dieses Gesetzes ist. Sistrix und TRG haben gestern bereits eine Studie veröffentlicht, die zeigt, dass der Anteil der Seiten mit Verlangsinhalten in den Serps, die auch Adwords enthalten, eher gering sind. Werbetreibende schalten viel lieber Werbung bei transaktionalen Suchanfragen. Wer nach News sucht, will in der Regel nichts kaufen, entsprechend wirbt dort auch keiner.

Interessant ist die Diskussion um die Vorteile, die Verlage aus der Indexsierung bei Google ziehen. Kai Oberbeck, Sprecher Google Deutschland, hat es in einem Beitrag so zusammengefasst:

Auch profitieren Presseverlage in erheblichem Umfang von Suchmaschinen und anderen Online-Diensten. Alleine durch Google werden pro Minute (!) 100.000 Klicks auf Verlagsseiten weiter geleitet, die diese für sich nutzen können. Google sorgt mit seinem Dienst AdSense für Werbung auf Verlagsseiten und schüttete im Jahr 2011 über sieben Milliarden US-Dollar an diese Partner aus. Es ist absurd, dass nun ausgerechnet Suchmaschinen Adressaten des Gesetzes sein sollen. Solch ein Gesetz schützt niemanden und schadet allen – Nutzern, Verlagen, Suchmaschinen und der deutschen Wirtschaft.

Nun merkt Christopher Keese an, dass es natürlich nicht wirklich sauber ist, die Gesamtausgaben von Adsense den Verlagen zuzuschreiben, die Zahl der 100.000 Klicks pro Minute hat er aber weder kommentiert noch angegriffen.

100.000 Klicks pro Minute auf internationale Presseangebote sind 6 Millionen Klicks pro Stunde und 144 Millionen Klicks pro Tag. Auf das Jahr hoch gerechnet heißt das, Google leitet 52.560.000.000 Klicks jährlich an die Verlage weiter. Mehr als 52 Milliarden Klicks! Mit einem relativ geringen CPC von 10 Cent berechnet entspräche das immerhin einem Gegenwert von 5 Milliarden Euro, rechnet man mit realistischeren 25 Cent wären es immerhin um die 12,5 Milliarden Euro, die Google den Verlagen als Gegenwert zur Verfügung stellt.

Und um es mal mit den Argumenten von Christopher Keese auf deutsche Verlage umzurechnen:

Würden die sieben Milliarden Dollar als weltweite Ausschüttung an Verlage stimmen, würden auf Deutschland knapp 700 Millionen Dollar entfallen, da Deutschland geschätzt etwas weniger als zehn Prozent des Google-Weltumsatzes erzielt. Von diesen 700 Millionen AdSense-Dollar sind die deutschen Verlage aber Lichtjahre entfernt.

Von den Klicks im Wert von (niedrig gerechneten) 5 Milliarden Euro würden also 500 Millionen Euro auf die deutschen Verlage entfallen. Google bringt den deutschen Verlagen also einen Gegenwert von ca. einer halben Milliarde Euro jährlich. Und soll mit dem Leistungsschutzrecht dafür auch noch bezahlen. Ich bin mal gespannt, wie sich die Debatte im Bundestag entwickelt.

Update: Die Diskussion um das Leistungsschutzrecht schön zusammengefasst:

Stefan Niggemeier hat heute auch nochmal die angeblichen Argumente für ein Leistungsschutzrecht auseinander genommen.

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