Google und die Demokratie – welchen Einfluss hat das Unternehmen?

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Der Verhaltenspsychologe Rob Epstein hat auf der CeBIT einen interessanten Vortrag über die Auswirkungen von Google Suchergebnissen auf Wahlergebnisse und die Schlussfolgerungen daraus gehalten. Konkret ging es um eine Studie in Indien und den USA bei denen das Ranking der Suchergebnisse von Kandidaten bei der Wahl deutlichen Einfluss auf die Wahlentscheidung bei unentschlossenen Wählern hatte.

Google findet diese Ergebnisse natürlich kaum haltbar und lässt sich wie folgt zitieren:

„Relevante Antworten zu liefern war von Beginn an die Basis von Googles Suchansatz. […] Wir schützen aufs Entschiedenste die Integrität unseres Algorithmus“

Tatsächlich bildet Google natürlich in erster Linie das Internet ab ohne direkt einzugreifen. Es gibt aber durchaus Möglichkeiten für Verzerrungen, die dafür sorgen können, das bestimmte Informationen und Kandidaten schlechter platziert werden – mit wie es mittlerweile scheint deutlichen Einfluss auf Wahlentscheidungen.

SSL Zertifikate und mobile Optimierung

Betrachtet man sich die beiden größeren Algorithmus-Änderungen in letzter Zeit, wird dieser Effekt sehr deutlich. Die Bevorzugung von SSL-Webseiten und mobil optimieren Auftritten hat kaum etwas mit dem Inhalt der Seite zu tun sondern basiert in erster Linie auf formalen Kriterien.

Kandidaten oder Organisationen, die sich hier keinen professionellen Support leisten können, haben automatisch einen Nachteil in den Suchergebnisse. Das mag in den USA kaum eine Rolle spielen, da dort fast nur große Parteien mit entsprechendem finanziellen Background antreten. In anderen Ländern gibt es aber auch kleinere Kandidaten und Außenseiter. Ohne SSL und mobile Optimierung haben diese dann bei Google automatisch schlechtere Plätze und damit auch schlechtere Chancen bei den Wähler. Google muss hier gar nicht eingreifen, der Algorithmus sorgt bereits an sich für Verzerrungen.

Gleiches könnte man sich vorstellen, wenn eine kleine Organisationen im Umwelt- oder Menschenrechtsbereich gegen große Unternehmen antritt. Ohne technischen Background sind die Informationen dieser kleineren Organisationen bei Google dann kaum auffindbar bei Mainstream-Suchabfragen und entsprechend fällt dann wohl auch das Meinungsbild der Bevölkerung aus.

Adwords und SEO bieten weitere Manipulationsmöglichkeiten

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Bisher werden die Einflussmöglichkeiten im Online-Bereich (noch) eher unterschätzt. Aber auch jetzt tobt bereits in den bezahlten Ergebnissen einen Schlacht um die Deutungshoheit in bestimmten Bereichen. Als Beispiel sei hier das Freihandelsabkommen Geheimabkommen TTIP genannt. Dort kämpfen in den bezahlten Suchergebnissen bereits Kritiker und Befürworter gegeneinander (eventuell auch mit Einfluss auf die organischen Ergebnisse). Wenn die Effekte durch Google bekannter werden, dürfte sich so etwas auch in anderen Bereichen und insbesondere bei Wahlen häufiger finden.

Prinzipiell ist an dieser Stelle daher auf jeden Fall Vorsicht geboten und eventuell sollte es Regelungen geben, wie beispielsweise Wahlwerbung zukünftig in der Google Suche präsentiert werden muss. Für die TV-Sender gibt es ja auch bereits entsprechende Regelungen.

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