Neues Geschäftmodell: kostenpflichtige Freeblogs UPDATE


Dieses Geschäftsmodell könnte sich zum Renner für 2011 entwickeln: Erst eine Freeblogger-Dienst aufbauen und dann eine Kostenpflicht einführen, mit der Maßgabe, dass der Kunde kündigen/widersprechen muss, um nicht monatliche Gebühren zahlen zu müssen. Zumindest beim Homepage-Dienst chapso.de scheint man diese Variante jetzt entdeckt zu haben. In einer Mail an die Nutzer heißt es:

Was sich am 21. September 2011 an den AGB ändern wird, ist im Grunde eine Nutzungsgebühr für chapso.de. Die Vielzahl der Nutzer des Homepage-Baukastens hat dazu geführt, dass der Server immer besser und größer werden musste, was enorme Kosten mit sich bringt. Gleiches gilt für die Weiterentwicklung und den Support. Aus diesem Grund sehen wir uns leider gezwungen, eine monatliche Gebühr für die Nutzung von chapso.de zu verlangen. Weitere Informationen findest du in dem übersendeten Link mit den neuen Allgemeinen Geschäftsbedingungen.
Die geänderten AGB gelten als stillschweigend angenommen, wenn du nicht binnen von zwei Wochen nach Erhalt dieser Email einen schriftlichen Widerspruch hinsichtlich der AGB-Änderungen an uns sendest. Dieser Widerspruch muss an die XXXXX adressiert sein und folgende Angaben beinhalten: Vorname, Nachname, Accountname und deinen Sicherheitscode. Dein persönlicher Sicherheitscode lautet: XXXXXXX

Bitte habe Verständnis, dass wir nur Kündigungen, die auf dem postalischen Wege eintreffen, bearbeiten können.

Wer nicht binnen zwei Wochen postalisch(!) widerspricht muss von da an für die Nutzung von Capso 5 Euro monatlich bezahlen. Die Vertragslaufzeit beträgt dabei immerhin 12 Monate und verlängert sich jeweils um 12 Monate, wenn nicht gekündigt wird.

Aktuell wirbt Chapso noch mit folgenden Satz auf der Startseiten:

Im Gegensatz dazu steht der Passus aus den neuen AGB:

Sämtliche Dienstleistungen, die unter www.chapso.de zu finden sind, sind kostenpflichtig. Die monatlichen Gebühren belaufen sich auf 5,00 Euro und die Vertragslaufzeit lautet 12 Monate. Nach Ablauf der 12 Monate verlängert sich der Vertrag automatisch um weitere 12 Monate zu den gleichen Konditionen, sofern der Nutzer nicht schriftlich kündigt.

Ich persönlich sehe solche Kostenpflicht per AGB Änderung immer als kritisch an, da man in meinen Augen den ursprünglich geschlossenen Vertrag nicht einfach durch AGB Klauseln ändern kann. Allerdings lohnt es sich wohl nicht wirklich wegen einem Freeblog einen Prozess anzustrengen – eine Accoutkündigung geht deutlich einfacher und macht weniger mühe. Schade nur um die ganzen Nutzer, die wirklich eine Webseite mit viel Arbeit bei Chapso erstellt haben. Die stehen jetzt vor der Wahl in 14 tagen ein neues Zuhause zu finden oder zähneknirschend die 60 Euro pro Jahr zu bezahlen.

UPDATE: Ich habe gerade festgestellt, dass eine Kündigung/Deaktivierung gar nicht so einfach möglich ist. Im Online-Bereich scheint es einen entsprechenden Button nicht zu geben, bleibt also nur die Variante per Mail/Brief. Mal sehen ob der Support reagiert.

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22 Kommentare zu "Neues Geschäftmodell: kostenpflichtige Freeblogs UPDATE"

  1. Das ist ja echt dreist. Da fehlen einem ja fast die Worte!

    Da guckste aber nicht schlecht, wenn dir dann die Rechnung über 60 Euro ins Haus geflattert kommt.

    Gerade „wenig Nutzer“ checken nicht regelmäßig aller 1-2 Wochen ihre E-Mails.

    Oder wenn man im Urlaub ist, dann bekommt der chapso.de Kunde das auch nicht gleich mit.

    Wenn wenigstens der Zeitraum für den Wiederspruch länger wäre. Aber so… Oha oha…

    Lg Stefan

  2. Das empfinde ich auch mehr als erdenklich, die reinste Abzocke. Zuerst Kunden mit einem kostenlosen Angebot anlocken und dann auf eine kostenpflichtige Version umstellen, also ich weiss nicht.

    Und vor allem, mal angenommen du bist in diesen 2 Wochen nicht zu erreichen, kein Zugang zu Email (warum auch immer) und schon hast du einen 1-Jahres Vertrag am Hals. Das halte ich mehr als bedenklich. Aber die „neuen AGBs“ werden wohl nochmals überarbeitet, da diese derzeit nicht aufrufbar sind.

  3. Die neuen AGB scheinen auf der Webseite wirklich noch nicht korrekt verlinkt zu sein. Man kann sie aber hier bereits aufrufen:

    http://www.chapso.de/agb_neu.html

  4. Ist die Frage, ob das wirklich rechtens ist. Mal sehen, wie viele Nutzer klagen und wer Recht bekommt. Zumindest die Rahmenbedingungen der Kostenerhebung sind sicher nicht haltbar…

  5. Ist doch nichts neues, gab es doch schon früher zu Zeiten von „kostenlosen Forenhoster“.

  6. Wow. Dass man nicht per Mail oder ganz einfach per Knopfdruck kündigen kann sagt ja alles aus. Die legen es ganz einfach darauf an, dass jemand sich nicht die Mühe macht einen Brief (!!!) zu schreiben. Meiner Meinung nach eine klar berechnete Abzocke…

  7. Ja, so ist das. Irgendwann ist jeder kostenloser Hoster kostenpflichtig, und zockt meistens noch dreißt ab.

  8. Ganz klare Abzocke. Ist es wirklich so einfach rechtlich damit durchzukommen? Finde ich ja persönlich sehr dreist und eigentlich ziemlich krass, den Vertrag stillschweigend anzunehmen!!

  9. Das wird sich aber nicht durchsetzen. Entweder der Anbieter wird das selber früh genug merken und gibt seine Idee auf, oder er ist früher oder später weg, weil es sich nicht lohnt. Vor allem wenn man schon einen Paid Bloghost suchst, sind die idR auch günstiger als 5 Euro im Monat.

  10. das ist ja wieder eine ganz hinterlistige abzocke, schade nur wenn man wirklich eine menge gebloggt hat und dann sene seite aufgeben muss weil sich so eine firma entschliest einen kriminellen weg einzuschlagen

  11. ich kann mir weder vorstellen, dass sich das durchsetzen wird, noch dass das rechtlich so einfach geht. Auf jeden Fall eine üble Masche, und von Anfang an darauf ausgelegt, dass die Leute nicht zahlen, weil die Leistung 5€/Monat wert ist, sondern dass eben einige es nicht rechtzeitig schaffen zu kündigen.

  12. Ich halte das für rechtlich sehr fragwürdig. Ein Vertrag wird durch zwei übereinstimmende Willenserklärungen abgeschlossen. Schweigen gilt dabei nur unter Kaufleuten nach HGB als Willenserklärung. Insofern besteht der Vertrag mit der kostenlosen Variante fort. Jedenfalls muss der Betreiber kündigen.

  13. Ziemliche Dreistigkeit. Die hätten sich ja auch vorher überlegen können wie teuer das irgendwann mal wird.

    Werden aber bestimmt einige machen um nich alles an Inhalten zu verlieren im WWW. Bin mal gespannt wie das da weiter geht.

  14. Ich habe gerade dazu einen Beitrag der Verbraucherzentrale gelesen. Dieser besagt, dass Vertragsänderungen nur gültig sind, wenn bei Vertragspartner ausdrücklich zustimmen. Also einfach ignorieren und nicht zahlen. Die Geschäftsführer wurden bereits darauf hingewiesen, dass diese Masche nicht rechtens ist.

    Hier der Link des Beitrags:
    http://www.vz-berlin.de/UNIQ131680169905137/link927841A.html

  15. Ich habe mich anscheinend vor einige Jahren dort mal angemeldet, wusste aber überhaupt nichts mehr von der Seite.
    Gestern kam eine Rechnung von 60€ in mein E-Mail Postfach mit dem Hinweis, das es ja in den veränderten AGB’s stand, die Anfang September zugesendet worden sind. Leider hab ich in genau dem Zeitraum meinen PC ein neues Betriebssystem aufgesetzt und meine E-Mails aus Outlook nicht abgespeichert. Falls ich so eine E-Mail also bekommen haben sollte, kann ich es nicht mehr nachprüfen.

    Jetzt weiß ich nicht, ob ich auf die 60€ eingehen soll. Ein bisschen Angst macht es mir ja schon.

  16. Ich bezweifle, dass die 60 Euro einklagbar sind. Es wurde inzwischen ein neues Gesetz verabschiedet, nachdem Käufer ausdrücklich auf einen Button „ja ich kaufe für x Euro…o.ä.“ klicken müssen, damit ein im Internet abgeschlossenes Geschäft rechtsgültig ist. Du musst die 60 Euro auf keinen Fall bezahlen. Widersprich einfach nochmal per Mail mit Hinweis auf die vorherige (das die nicht gespeichert ist, weiß Chapso ja nicht) und verweise auf den Verbraucherschutz. Umziehen wirst du mit deinem Blog allerdings müssen. Hoffentlich verlieren sie die Masse ihrer Kunden. Das ist kein seriöses Geschäftsgebahren!

  17. hallo
    ich habe auch diese rechnungs mail bekommen.
    ich zahle sicherlich nicht das ist klar habe ja mit dehnen kein vertrag abgeschlossen.
    und chapso nutze ich schon lange nicht mehr.
    die seite gibt es nicht mehr mit mein nahmen.
    blöt ist es aber das man sich dort nicht abmelden kann, das kann auch nicht sehr zuverlessig sein,
    das klingt für mich als eine fette abzocke.
    das ist wie facebook mal kostenpflichtig wirt und die auch sagen wenn du inerhalb so viel zzeit dich nicht abmeldest gehen wir davon aus das du einverstanden bist das du zahlst.
    stimmt nicht du musst natürlich einvertrag eingehen wenn du das bewilligts wenn du sagst ja ich will zb. kostenplichtig facebook nutzen.
    alles anderst ist bullschiett
    und wie wollen sie mich zwingen zu zahlen wenn sie nur eine mail adresse von mir haben ich habe auch keine adresse oder so was angegeben.
    also leute lasst euch nicht runter krigen.
    viele grüsse daniele

  18. Hi!

    Ich habe gestern auch eine schicke Rechnung von denen erhalten. Widersprochen hatte och letzte Woche bereits per Email UND Brief, aber scheinbar interessiert es da niemand.

    Auf die Rechnung hin habe ich mit einer DIN A4 Seite geantwortet. Vielleicht ein wenig frech und dreist, aber besser waren sie auch nicht. In der Email stand nur mein Name, keine Adresse, noch einer Annahme des Vertrages, von daher interessiert mich das nicht. Stellt sich die Frage, hätte ich meinen Namen mit Miss Piggy angegeben, wäre dies auch meine Anrede in der Rechnung gewesen?! Mir hat es allerdings so in den Fingern gejuckt, dass ich was schreiben musste. Bisher bleiben sie mir die Antwort schuldig, was ich wirklich schade finde!

    Der Clou an der Sache, ich soll 60 Euro zahlen, für eine Seite, die von chapso.de bereits ab dem 24.09. nicht mehr zu erreichen war. Domäin nicht vergeben! Noch Fragen? 😉

    Akte 2011 sucht übrigens auch shon Geschädigte, hab ich gestern in einem blog gelesen!

  19. Hallo an alle chapo-geschädigten

    Ich habe nach Rechnungserhalt am 26.9. mit Strafanzeige wegen Betruges scharf zurückgeschossen und am 30.9.folgende mail erhalten (außer meiner mail-adresse hatten die ja sowiso nichts von mir

    Hallo lieber Nutzer,

    heute bekommst du schon wieder eine Email von uns, aber diesmal mit einem etwas anderem Hintergrund. Wie du dich vielleicht erinnerst, haben wir dir vor gut drei Wochen eine Email mit einer Ankündigung einer Änderung der Allgemeinen Geschäftsbedingungen zugesendet. Auf diese möchten wir uns zunächst kurz beziehen. Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen sollen umgestellt werden, da die Kosten für das Betreiben des Homepage-Baukastens (Datenbankserver, Backupserver, Domains, Support, Techniker) enorm gestiegen sind und wir deswegen gezwungen sind, die kostenlose Variante auf die kostenpflichtige Variante (sprich eine monatliche Nutzungsgebühr in Höhe von fünf Euro) umzustellen. Die Art und Weise, wie die Umstellung erfolgen sollte, führte jedoch leider zu einigen Missverständnissen, weswegen wir heute abermals auf dich zukommen. Deshalb teilen wir dir hiermit mit, dass die dir gestellte und per Email übersendete Forderung bis zur aktiven Bestätigung der neuen Allgemeinen Geschäftsbedingungen gegenstandslos ist. Wir hoffen auf dein Verständnis, dass wir deine Homepage jedoch nur bei aktiver Bestätigung der neuen Allgemeinen Geschäftsbedingungen weiterführen können. Andernfalls wird die Homepage zum 17. Oktober 2011 deaktiviert.

    Solltest du deinen Account in den letzten drei Wochen bereits postalisch gelöscht haben, so sei an dieser Stelle angemerkt, dass wir uns aktuell in der Löschungsphase befinden, welche sich jedoch noch ein paar Tage hinziehen kann. Bis spätestens zum 17. Oktober 2011 sind dann alle Löschungen bearbeitet und durchgeführt. Die Löschung der Nutzerdaten beendet das laufende (kostenlose) Vertragsverhältnis.

    Beste Grüße,
    das Chapso.de-Team

  20. sehr schön, dann scheint die Mahnung der Verbraucherzentrale ja Wirkung gezeigt zu haben.

  21. Ein freies Angebot in ein kostenpflichtiges Angebot ohne direkte Zustimmung ist rechtlich nicht haltbar.

    Vertragsänderungen können mit Verbrauchern nicht einfach durch AGB-Änderung zustande kommen die stillschweigend akzeptiert werden, hier muss aktiv der Verbraucher zustimmen.

    LG Daniel

  22. Da kann ich Daniel nur zustimmen. Was wenn Du mal zwei Wochen in den Urlaub fährst? Pech gehabt? Normalerweise hat man immer ein Sonderkündigungsrecht bei Vertragsänderung, zumindest soweit mir das bekannt ist.

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